1111111111Rating 0.00 (0 Votes)

Immer wieder erreichen uns Anfragen nach so genannten tageslichttauglichen Beamern. Doch was bitte schön ist tageslichttauglich?

Würde man bei einem Auto fragen, ob es denn schnellfahrtauglich ist? Und was für den einen schon schnell ist, ist für jemand anderes vielleicht einfach nur laaaaaangsam.

Streng genommen sind natürlich alle Beamer irgendwo tageslichttauglich, denn ansonsten wären Sie ja grundsätzlich nur nachts einzusetzen oder in simulierter Nacht - also völlig dunklen Kellern oder Kinos. So mancher Veranstalter würde sich wohl freuen, wenn Präsentationen nur noch in absolut dunklen Räumen durchgeführt werden dürften, weil die Beamer oder sonstige Präsentationstechnik nicht tageslichttauglich sind. Dem ist ja zum Glück nicht so.

Die Herausforderung für einen Beamer besteht aber auch in nicht ganz abgedunkelten Räumen darin, ein gutes bis wenigstens erkennbares Bild zu bekommen. Mit stärkeren Beamern kann man oft auch im nicht ganz abgedunkelten Bereich tolle Ergebnisse erzielen. Auf der anderen Seite aber stoßen lichtschwächere Modelle schnell bei Dunkelheit an ihre Grenzen, wenn man das Bild vergrößern will, da jeder Meter Abstand zwischen Leinwand / Wand und Beamer das projizierte Licht exponentiell dunkler werden lässt. Tageslichttauglich wird oft einfach als Synonym verwendet, um lichtstark zu sagen, wenn man von Beamern spricht. Auch diese Definition wird schwierig, denn selbst 12.000 oder 15.000 ANSI Lumen bringen ihnen in direkter Sonne ein extrem schlechtes Bild und das, obwohl die Beamer wirklich lichtstark sind. Wenn
Sie das Bild nicht größer als ein Din A4 Blatt machen wird das mit solchen Lichtleistungen sogar im hellsten Scheinwerferlicht funktionieren.

 

Schwarz definiert sich beim Beamer über die dunkelste Stelle der LeinwandDas Prinzip der Projektion bereitet hierbei das Grundproblem. Bei einer Projektion wird ein Bild per Licht auf eine neutrale, meist weiße Fläche, projiziert. Das heißt, das System leuchtet nicht selbst, sondern wirft nur das Licht zurück, das es bekommt (mal verstärkt, mal nicht, aber das ein anderes Thema, siehe Leinwand). Daher erklärt sich auch leicht, dass es im Kino so dunkel ist. Nicht, um ungestört in den letzten Reihen knutschen zu können, sondern, damit möglichst wenig bis gar kein fremdes Licht auf die Leinwand fällt - denn im Prinzip entscheidet nicht der Beamer oder Projektor darüber, ob etwas tageslichttauglich ist, sondern die Fläche auf die Sie projizieren möchten. Im Kino bedeutet das, dass eine weiße Leinwand und absolut dunkle Umgebung das beste Bild ermöglichen, da kein störendes Licht den Bildeindruck zerstören kann (abgesehen von ein paar anderen Effekten auf Augen und Wahrnehmung, die im Kino bewusst erzeugt werden).
Wenn Sie sehen, wie sich das Bild verändert, wenn das Licht im Kino vielleicht zu früh wieder angemacht wird wird schnell klar, was genauso auch für den hellen Raum und die schicke Präsentation gilt.
Bleiben wir beim Beispiel Kino: Der Abspann eines Films ist ja meist weiße Schrift auf schwarzem Hintergrund. Dabei geht schwarzer Hintergrund auf einer weißen Leinwand eigentlich gar nicht. Unser Auge lässt sich aber nur zu gerne täuschen und glaubt, dass die Stellen der Leinwand, die nicht angestrahlt werden, einfach schwarz sind. Was im Kino vielleicht noch funktioniert, weil es wirklich dunkel ist, wird im Präsentationssaal oder in der Sporthalle schnell zum Problem. Noch problematischer wird es dann unter Mitwirkung der Sonne.

Die Sonne ist die stärkste Lichtquelle überhaupt. Man könnte sagen, wo sie hinscheint, wächst zwar Gras, aber kein projiziertes Bild mehr. Die Sonne macht aus einer Leinwand, die ja als Reflektionsfläche für einen Beamer dient, eine fast schon selbstleuchtende Fläche. Stellt man sich das jetzt vor wie im Kino, dann sind diese Stellen, die nur so vom Umgebungslicht erhellt werden, die schwarzen Stellen im Bild. Und selbst mit  dem besten Willen, sich betrügen zu lassen, machen unsere Augen dieses Spiel irgendwann nicht mehr mit. Der Kontrast, um weiß von schwarz zu unterscheiden ist dann einfach zu gering!

Effekt Sonne trifft auf gebeamtes BildDas heißt, die Tageslichtfähigkeit eines Beamers hängt stark vom Umgebungslicht, welches auf der Leinwand herrscht, ab. Der Kontrast, den Sie so mit ihrem Beamer erzeigen können, darf auch nicht vernachlässigt werden (nicht zu verwechseln mit dem Bildkontrast selbst, aber das Prinzip ist dasselbe). Im Endeffekt entscheidet also nicht die Lichtstärke darüber, ob ein Beamer tageslichttauglich ist, sondern der möglichst große Kontrast, den man an der Stelle schaffen kann auf die projiziert werden soll. Je höher der Kontrast ist, desto besser wird das projizierte Bild. Und natürlich auch, je kleiner das Bild werden soll, desto weniger Licht braucht der Projektor.

Daher ist die Angabe "tageslichttauglich" keine gute Angabe, um eine Projektion in hellen Räumen zu umschreiben. Selbst das Tageslicht ist von Minute zu Minute anders, abhängig von Sonne, Wolken, Regen, Jahreszeit, Uhrzeit und so weiter.

Man kann in etwa grundsätzlich festhalten, je kleiner und je dunkler die Projektionsfläche, auf die projiziert wird, desto weniger Licht wird insgesamt am Beamer benötigt. Oder umgekehrt, je heller die Umgebung und die Leinwand, desto stärker muss der Beamer sein, wobei gegen direkte Sonne eigentlich kein (bezahlbares) Kraut gewachsen ist. Noch nicht...

Beamerbild unter drei verschiedenen Lichtbedingungen